1. Bezirk, Dr. Ignaz Seipel-Platz 2

Die Akademie der Wissenschaften zählt zu den bedeutendsten historischen Gebäuden Wiens und ist seit Jahrhunderten ein Zentrum von Wissenschaft und Gelehrsamkeit. Der prachtvolle Barockbau beeindruckt nicht nur durch seine Architektur, sondern auch durch den grossen Festsaal, dessen berühmtes Deckengemälde nach einem Brand 1961 originalgetreu wiederhergestellt wurde.
In den Jahren 1753 bis 1755 wurde das spätbarocke Gebäude am Dr.-Ignaz-Seipel-Platz nach Plänen des lothringischen Architekten Jean Nicolas Jadot de Ville-Issey errichtet. Die ausführenden Baumeister waren Johann Enzendorfer, Johann Adam Münzer und Daniel Christoph Dietrich. Die Eröffnung erfolgte am 10. April 1756 durch Kaiser Franz I. Stephan und seine Gemahlin Maria Theresia. Das Bauwerk gehörte der damals benachbarten Universität an, die im Jesuitenkolleg untergebracht war, und beherbergte im Obergeschoss die Räumlichkeiten der Akademie der bildenden Künste, welche im folgenden Jahrhundert in ein neues, von Theophil Hansen errichtetes Gebäude am Schillerplatz übersiedelte.
1857 wurde das Gebäude der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, die 1847 von Kaiser Ferdinand I. gegründet worden war, zur Verfügung gestellt. Zu dieser Zeit fanden im grossen Festsaal Konzerte statt, bei denen einige bedeutende Werke uraufgeführt wurden.
Barockfassade mit viel Symbolgehalt

Das prächtige Bauwerk dominiert neben der barocken Doppelturmfassade der Jesuitenkirche den geschlossenen Platz. Die reich geschmückte Fassade umfasst mehrere Elemente, die auf die Monarchie hinweisen: Über der Attika befindet sich eine prunkvolle Kartusche mit dem Doppelwappen des Kaiserreiches, im Winkel des rechten Giebels das Wappen Neu-Österreichs (Niederösterreich), an der Seite gegen die Sonnenfelsgasse das Wappen Böhmens und auf der Seite gegen die Bäckerstrasse jenes Ungarns. Auf den Giebeln thronen jeweils zwei Genien, welche die vier Fakultäten der Universität darstellen und wahrscheinlich von Joseph Lenzbauer stammen.
Über den äusseren Fenstern im ersten Stock sind Adler mit Trophäen angebracht, und in der Attikazone des zurückversetzten Haupttraktes prangen sechs Kinderfiguren. Eine Inschrift an der Fassade verweist auf die Entstehung des Gebäudes: FRANCISCUS I. MARIA THERESIA AUGG: SCIENTIIS ET ARTIB: RESTITUT: POSUERUNT MDCCLIIII („Die Kaiser Franz I. und Maria Theresia errichteten mich für die erneuerten Wissenschaften und Künste 1754“).

Bereits die grosse Eingangshalle beeindruckt durch ihr Stuckwerk und zahlreiche doppelte und dreifache Rundsäulen aus Marmor. Beidseitig führt eine Stiege in die oberen Etagen. Im Johannessaal befindet sich ein grosses Deckenfresko des berühmten Malers Franz Anton Maulbertsch, welches die Taufe Christi zeigt. Ein weiterer Teil der Decke ist als Scheinkuppel ausgeführt, deren Urheber heute nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann; vermutet wird dahinter Vinzenz Fischer. Das sogenannte Museumszimmer im oberen Stockwerk diente ursprünglich als Ratssaal der Akademie und weist das Fragment eines weiteren Deckengemäldes von Maulbertsch auf, das aus dem Jahre 1759 stammt und gut erhalten ist. Es zeigt den Triumph der Künste durch die Unterstützung des Kaiserpaares.
Der Festsaal, das Prunkstück des Hauses


Der beeindruckendste Raum des Gebäudes ist der grosse Festsaal mit einem atemberaubenden Deckengemälde von Gregorio Guglielmi und Domenico Francia aus dem Jahre 1755 sowie vier Skulpturengruppen von Johann Gabriel Müller. Diese stellen die vier herrscherlichen Tugenden dar: Liberalitas (Freigiebigkeit), Fides und Constantia (Glaube und Standhaftigkeit), Iustitia und Sapientia (Gerechtigkeit und Weisheit), Prudentia und Vigilantia (Klugheit und Wachsamkeit).


Das Fresko nimmt die gesamte Decke ein und zeigt die vier Fakultäten der Akademie (Theologie, Philosophie, Rechtswissenschaft, Medizin) sowie in der Mitte die Verherrlichung (Apotheose) des Kaiserpaares, welches die Wissenschaften fördert. Im Zentrum des Gemäldes wird das Medaillon mit dem Bildnis des Paares vom Gott Chronos im Sonnenlicht getragen. In den Ecken sind die Personifikationen der vier damals bekannten Erdteile Europa, Afrika, Amerika und Asien mit ihren vier Hauptströmen Donau, Nil, Rio de la Plata und Ganges dargestellt. Das Gesims unter dem Fresko wird von Puttenpaaren gesäumt. Im Jahre 1961 stürzte bei einem Brand die Decke ein, wobei die plastisch reich verzierten Wände glücklicherweise weitgehend unbeschädigt blieben. Der Raum konnte in den folgenden Jahren erfolgreich restauriert und das Deckengemälde originalgetreu rekonstruiert werden.


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