Palais Cumberland

14. Penzing, Penzinger Strasse 9-13

planet-vienna, das palais cumberland in wien

Im Jahr 1730 kam Emanuel Teles Graf von Sylva-Tarouca aus Lissabon nach Wien an den kaiserlichen Hof, wo er der jungen Maria Theresia bei Regierungsangelegenheiten unterstützend zur Seite stand. 1744 erwarb er drei Gebäude im heutigen Bezirk Penzing, liess diese abbrechen und an ihrer Stelle ein herrschaftliches Palais errichten. Wenige Jahre später kaufte Maria Theresia das Anwesen als dem Kaiserschloss benachbarten Sommersitz für ihren Schwager Prinz Karl von Lothringen. Unmittelbar daneben liess Graf Sylva-Tarouca ein weiteres Palais erbauen, das später in den Besitz der Familie Pouthon überging. Um 1867 verkaufte diese das Gebäude an Kaiser Franz Joseph, der beide Herrschaftshäuser baulich miteinander verbinden liess.

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Der Kaiser wies das vereinigte Palais dem in Österreich im Exil lebenden König Georg V. von Hannover als Wohnsitz zu, der hier bis zu seinem Tod unter dem Pseudonym „Herzog von Cumberland“ lebte. Während dieser Zeit liess er das Gebäude mehrfach erweitern und verschönern und bewahrte darin seine Kunstsammlung auf. Um 1908 erhielt der Komplex einen weiteren Anbau, indem das angrenzende kaiserliche Jagdhaus aus dem Jahr 1747 einbezogen wurde. Nach dem Ersten Weltkrieg diente das Palais Cumberland als Sitz der tschechoslowakischen Botschaft; später bezog das Max Reinhardt Seminar Teile der Anlage.

Bauliche Spuren des Wandels

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Die heutige Erscheinung des Palais Cumberland lässt die zahlreichen Um- und Anbauten seit 1744 deutlich erkennen. Dem ostseitig ausgerichteten Gebäudeteil ist ein kleiner Ehrenhof vorgelagert. Hinter dem Eingang öffnet sich ein repräsentatives Stiegenhaus mit eindrucksvollem Stuckwerk. Die Ausstattung des grossen Saales mit Pilastern, Lunettenfenstern und reichem Stuckplafond stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Haupttrakt aus der Gründerzeit ist durch eine Vielzahl unterschiedlicher Gestaltungselemente gegliedert, darunter Pilaster, Rundbögen, hervortretende Risalite und erkerartige Anbauten.

Im Inneren wurde das Haupthaus nahezu vollständig erneuert; einzig der gartenseitige ovale Ballsaal bewahrte seine ursprüngliche Ausstattung. Diese ist besonders reichhaltig und beeindruckt durch gemalte Scheinarchitektur sowie ein Deckengemälde, das einen illusionistischen Blick in den Himmel eröffnet. Zwei Öfen aus der Erbauungszeit sind ebenfalls erhalten geblieben und mit üppigem Rocaillenschmuck verziert.