Schloss Kaiserebersdorf

11. Bezirk, Kaiser-Ebersdorfer-Strasse 297

planet-vienna, schloss kaiserebersdorf in wien

Das im 11. Jh. erstmals erwähnte Ebersdorf ist neben Simmering die älteste Siedlung im heutigen 11. Wiener Stadtbezirk. In der ersten Hälfte des 13. Jh. ist hier erstmals ein Landsitz erwähnt, der den Herren von Ebersdorf gehörte. Durch einen Tauschhandel kam das Anwesen 1499 in den Besitz von Kaiser Maximilian I.. Im Zuge dessen wurde Ebersdorf in Kaiserebersdorf umbenannt. Maximlian liess das Gebäude zu einem Jagdschloss ausbauen. Sein Enkel Ferdinand I. hingegen nutzte das Schloss kaum. Während der ersten Türkenbelagerung anno 1529 erlitt das Schloss Zerstörungen und wurde danach wieder instandgesetzt und erweitert. Als Maximilian II. den Thron erbte, kehrte höfisches Leben nach Kaiserebersdorf zurück.

1569 beauftrage Maximilian II. den Bau von Schloss Neugebäude in Sichtweite. Das Kaiserebersdorfer Schloss rückte bedeutungsmässig zunehmend in den Schatten des Neugebäudes, wurde jedoch weiterhin genutzt und abermals grosszügig erweitert – um zusätzliche Stockwerke, zwei weitere Flügel und einen Wassergraben. Kaiser Matthias verbrachte in Schloss Kaiserebersdorf öfters seine Sommermonate, und Nachfolger Ferdinand II. liess es umfassend restaurieren sowie den Anfoderungen der Zeit anpassen.

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Nach erneuten Zerstörungen und einem Vollbrand während der zweiten Türkenbelagerung von 1683 erhielt das Schloss – vermutlich unter der Leitung von Giovanni Pietro Tencalla – sein barockes Erscheinungsbild mit einheitlicher Fassade, Rustika und plastischem Dekor. 1745 übertrug Maria Theresia das Schloss dem Weihbischof Anton Marxer, der hier ein Waisen- und Armenhaus einrichtete. Ab 1773 bis 1918 wurde das Schloss für militärische Zwecke genutzt – unter anderem als Kaserne, Feldspital oder Monturdepot.

In den 1920er-Jahren liess man Schloss Kaiserebersdorf zu einer Jugendstrafanstalt umfunktionieren. Seit 1975 dient das heute um einen grossen modernen, U-förmigen Zubau erweiterte Schloss als Strafvollzugsanstalt für männliche Erwachsene und ist der Justizanstalt Simmering inkorporiert.

Einheitlich trotz zahlreicher Umbauten

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Ist das Erscheinungsbild des am Münnichplatz gegenüber der Pfarrkirche gelegenen Schlosses weitgehend homogen, so vereint der Komplex in sich Teile aus sämtlichen Bauphasen seit dem Spätmittelalter bis in die Barockzeit. Um einen grossen rechteckigen Hof gruppieren sich die einzelnen Trakte. Beim vierflügligen Gebäude am nördlichen Rand des Hofes handelt es sich im Kern um die spätgotische, später mit barocker Fassade verblendete Burg. Die weiteren Trakte sind im 16. und 17. Jh. entstanden und bilden zusammen eine einheitliche, einst von Wassergräben umgebene Schlossanlage.

Die nach 1683 entstandene Aussengestaltung präsentiert sich mit gegliederten Putzfassaden mit Eckquaderung, Gesimsbändern, dekorativen Feldern und plastischen Fensterverdachungen. Die Trakte tragen überwiegend Walmdächer. Das südliche Hauptportal ist aufwendig gestaltet mit rustizierten toskanischen Säulen, Kriegstrophäen und kaiserlicher Symbolik.

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Die Innenräume sind mehrheitlich den modernen Nutzungen angepasst worden. Historische Raumstrukturen finden sich vor allem im Erdgeschoss. Hier haben Tonnen-, Stichkappen-, Mulden- und Netzgewölbe aus der Mitte des 16. Jh. die Zeit überdauert. Einige von ihnen weisen bemerkenswerte Gratkonstruktionen und Schlusssteine auf. Einige Treppenaufgänge aus der Barockzeit haben sich ebenfalls erhalten. Erwähnenswert ist die Schlosskapelle Maria Königin der Himmel als zentraler Bestandteil des Kaiserebersdorfer Schlosses. Es handelt sich um eine reich stuckierte, zweigeschossige Saalkapelle, entstanden zwischen 1680 und 1690. Der Raum weist eine korinthische Pilasterordnung auf, Stichkappentonnen und Oratorien.

Obschon Schloss Kaiserebersdorf durch funkionale Umbauten und Adaptionen vor allem im Inneren mehrfach verändert worden ist, gilt es als anschauliches Beispiel für gut erhaltene Bausubstanz der Renaissance und des Barock.


planet-vienna, schloss kaiserebersdorf in wien, stich um 1720
Stich um 1720