4. Bezirk, Prinz Eugen-Str. 6

Im letzten Drittel des 19. Jh. ist an der Ecke Wohllebengasse und Prinz-Eugen-Strasse, die damals noch Heugasse hiess, ein zweistöckiges Wohngebäude bezeugt, welches dem Wiener Grosshandelskaufmann Wilhelm Linzer gehörte. Am Abend des 14. Dezember verursachte ein Brand – vermutlich durch Arbeiten an Gasleitungen im Dachgeschoss verursacht – das Wohnhaus.
1882 liess Linzer auf dem rund 720 Quadratmeter grossen Grundstück ein neues Zinshaus nach Plänen von Gustav Schlierholz erbauten. Ausführender Baumeister war Joseph Kubelka. Ab 1894 lebte hier eine Zeit lang der ungarische Schrifsteller und Theaterdirektor Wilhelm Karczag, der an 1901 das Theater an der Wien leitete. Ab Oktober 1887 war im Haus für einige Jahre die serbische Gesandtschaft in Wien untergebracht.
Beim Palais Linzer handelt es sich um ein gross dimensioniertes Mietpalais mit streng historistischen Formen. Der markante, runde Eckturm ist überkuppelt und durch Pilaster gegliedert. Im zweiten Obergeschoss umläuft ein auf Kragsteinen ruhender Balkon den Turm. Das seitliche Portal wird von Säulen flankiert und durch einen darüberliegenden Balkon betont. Die Fassade der beiden unteren Geschosse ist kräftig rustiziert ausgeführt. Das dritte Obergeschoss, die Beletage, besitzt Fenster mit Segmentbogenbedachung, während die Fenster des darüberliegenden Geschosses mit Dreiecksgiebeln versehen sind. Deutlich schlichter gestaltet präsentieren sich die Fenster der obersten Etage.
Trivia
Bauherr Wilhelm Linzer, welcher in Wien mit seiner Handelsfirma „Wilhelm Linzer & Klein“ an der Wollzeile 6 respektables Ansehen genoss, hatte einen gleichnamigen Sohn. Am 27. Juni 1885 mitten in der Nacht wurde der zu dem Zeitpunkt 21-Jährige auf der Rustenschacherwiese im Prater von einer Sicherheitspatrouille schwer verletzt aufgefunden und umgehend ins Rudolfsspital eingeliefert. Wilhelm Linzer gab an, er habe sich die Kugel selbst durch die Brust geschossen – er habe dadurch die Bestimmungen eines sogenannten „Amerikanischen Duells“ erfüllen wollen.
Es handelt sich dabei um eine verabredete Form des Suizids, bei der durch Los entschieden wird, wer sterben muss. Typischerweise ziehen die Beteiligten verdeckt Lose – meist eine schwarze und eine weisse Kugel –, wobei der Verlierer verpflichtet ist, sich innerhalb einer festgelegten Zeit zu töten. Linzer hatte die schwarze Kugel gezogen und musste sich gemäss Abmachung bis spätestens 1. Juli 1885 das Leben nehmen. Er erklärte, er habe es bereits am Tag zuvor vollziehen wollen.
Wer sein Gegner war, gab Linzer nicht zu Protokoll. Die Polizeibehörde vermutete einen jungen Adeligen, der im Vorjahr zusammen mit Linzer in einem Feldartillerie-Regiment gedient und mit dem er sich verkracht hatte, wonach beide die tödliche Abmachung getroffen sind. Wilhelm Linzers Suizidversuch schlug zwar fehl an jenem Tag, doch erlag der Industriellensohn wenig später, am 5. Juli 1885, seinen schweren Verletzungen.
