12. Bezirk, Marschallplatz

Aussen monumentale Neuromanik, innen betonte Schlichtheit: Die Pfarrkirche Hetzendorf erzählt von Kriegszerstörung, einem erbitterten Gestaltungsstreit und bedeutender Kunst.
Um 1783 wurde Hetzendorf nach der Loslösung von Atzgersdorf zu einer eigenständigen Pfarre. Als Pfarrkirche diente fortan die Schlosskirche im Schloss Hetzendorf, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts aufgrund des stetigen Bevölkerungswachstums jedoch als zu klein erwies. Man entschied sich daher für einen Neubau, der nach Plänen der beiden Architekten Eugen Ritter von Felgel und Hubert Gangl in den Jahren 1908/09 verwirklicht wurde. Mit der Ausstattung wurde der Bildhauer Franz Zelezny beauftragt, der den Innenraum reich und ornamentvoll gestaltete.

Während eines Bombenangriffs am 17. Oktober 1944 suchten zahlreiche Bewohner Hetzendorfs Zuflucht in der Kirche. Ein schwerer Bombentreffer forderte 16 Todesopfer und verursachte erhebliche Schäden am Gotteshaus. Nach Kriegsende wurde die Kirche zunächst behelfsmässig instand gesetzt. Zugleich entbrannte eine Debatte darüber, ob das Innere originalgetreu rekonstruiert werden sollte. Die Mehrheit der Bevölkerung sprach sich für eine Wiederherstellung aus. Nach einem langen und heftigen Streit setzten sich 1954 jedoch die Befürworter einer schlichten, puritanischen Innenausstattung durch.
Farblose Schlichtheit
Das Resultat wirkt nüchtern und kalt: Der als romanische Hallenbasilika gestaltete Innenraum und die Apsis weisen keinerlei Schmuck auf. Kahle weisse Wände und Gewölbe bestimmen das Erscheinungsbild. Um 1960 wurden im Altarraum drei grosse Pergamentgemälde des bedeutenden österreichischen Malers Ernst Fuchs aufgehängt. 1979 wurden sie von einem verwirrten Mann schwer beschädigt und nach jahrelangen Restaurierungsarbeiten wieder angebracht.

So unspektakulär sich das Kircheninnere präsentiert, so beeindruckend ist die äussere Erscheinung der freistehenden Pfarrkirche. Der neuromanische Bau verfügt über einen markanten Vierungsturm, einen seitlich angebauten Glockenturm sowie zwei Polygonaltürmchen über der Portalfassade, die als eine Art Reminiszenz an die Heidentürme des Stephansdoms erscheinen. Stilistisch orientiert sich die Kirche an den grossen romanischen Kathedralen entlang des Rheins.
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