20. Bezirk, Forsthausgasse

Mitten in der Brigittenau verbirgt sich eine barocke Kapelle, deren Ursprung bis in den Dreissigjährigen Krieg zurückreicht. Sie erzählt ein Stück Wiener Geschichte, das heute fast vergessen ist.
In der heutigen Brigittenau, in jener Gegend zur Landspitze hin, wo der Donaukanal den Strom verlässt, verlief einst die Handelsstrasse von Wien nach Prag. Das Gebiet trug den Namen „Wolfsau“, und die Stelle bei der Brücke wurde „Wolfsschanze“ genannt, weil sich dort ein bedeutender Verteidigungswall befand. Als im Dreissigjährigen Krieg die Schweden die Wolfsschanze erobert hatten, befahl der Kaiser deren Rückgewinnung. Erzherzog Leopold Wilhelm verfolgte den Verlauf der Kämpfe und schlug sein Zelt im Feldlager vor Ort auf.

Während er eines Tages seine Morgenandacht hielt, fiel eine Bombe durch das Zeltdach; doch wie durch ein Wunder soll er unverletzt geblieben sein und aus Dankbarkeit den Bau einer Kapelle gelobt haben, die der schwedischen Heiligen Brigitta geweiht werden sollte. So lautet die Legende zur Entstehung der Brigittakapelle. Auf Geheiss Kaiser Ferdinands III. wurde sie um 1650 vom Architekten Filippo Luchesi errichtet. Lange Zeit blieb sie das einzige Gotteshaus der Gegend, bis in den Jahren 1867–73 weiter südlich die Brigittakirche erbaut wurde. In der Folge verlor die Brigittakapelle an Bedeutung und wurde dem Verfall überlassen.

Erst im Jahr 1898 ergriff Gemeinderat Lorenz Müller (1862-1922) die Initiative zu ihrer Erhaltung; daraufhin wurde sie renoviert und 1903 neu geweiht. Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Kapelle schwere Schäden, in den 1950er-Jahren jedoch vollständig behoben werden konnten. Die kleine barocke Kapelle hat einen oktogonalen Grundriss, eine Laterne auf der Dachspitze und drei Eingangstüren. Sie steht in einer Parkanlage inmitten der Wohnsiedlungen der äusseren Brigittenau.


