Grinzinger Friedhof

19. Bezirk, An den langen Lüssen 33

Planet-Vienna, Friedhof Grinzing

Malerisch an den Hängen der Kahlenbergkette gelegen, zählt der Grinzinger Friedhof zu den stimmungsvollsten Gottesäckern Wiens – und birgt die Gräber zahlreicher berühmter Persönlichkeiten.


Wie fast jede ehemalige Vorstadt Wiens besitzt auch das pittoreske Heurigendorf Grinzing einen eigenen Gottesacker. Besonders malerisch und ruhig liegt der Friedhof am Rand des städtischen Siedlungsgebietes, eingebettet in die sanften Hänge der Kahlenbergkette und damit auch topografisch reizvoll angelegt. Früher wurden die Verstorbenen aus Grinzing auf dem Gottesacker zu St. Michael in Heiligenstadt beigesetzt. Als die Heiligkreuz-Kirche 1783 zur Pfarrkirche erhoben wurde, entstand unmittelbar neben ihr der erste kleine Friedhof von Grinzing. Für den heutigen grossen Friedhof stiftete der wohlhabende Handelsmann Franz Ritter Huschka Edler von Ratschitzburg im Jahr 1829 ein Grundstück an den Langen Lüssen. 1830 fand hier die erste Beisetzung statt. Nach der Eingemeindung Grinzings wurde der Friedhof mehrmals erweitert. Heute ist seine Fläche etwa zehnmal so gross wie ursprünglich.

Planet-Vienna, Friedhof Grinzing

Der deutsche Chemiker und Naturforscher Carl Ludwig Freiherr von Reichenbach, einstiger Besitzer des Cobenzl und Entdecker des Paraffins, führte auf dem Grinzinger Friedhof wiederholt nächtliche Experimente zum sogenannten «Grableuchten» durch. Damit wollte er seine Theorie des «Od» untermauern. Dieser zufolge können besonders begabte Menschen in dunklen Räumen schwache Lichterscheinungen wahrnehmen, die auf magnetische Kräfte zurückzuführen seien. Beim «Grableuchten» handelte es sich jedoch nicht um magnetische Kräfte, sondern um ein anderes Phänomen: das phosphoreszierende Licht der Verwesung. Dieses konnte auf mehreren Wiener Friedhöfen beobachtet werden und weist auf eine Übersättigung des Erdbodens mit Verwesungsprodukten hin.

Illustre Namen auf den Grabsteinen

Planet-Vienna, Friedhof Grinzing

Der Grinzinger Friedhof präsentiert sich ausgesprochen gepflegt. Bewusst wurde darauf geachtet, monotone und gesichtslose Gräberreihen oder sogenannte «Schrebergartengräber» zu vermeiden. Stattdessen sind die Gräber halbkreisförmig angeordnet und zu kleinen, durch Hecken voneinander getrennten Abteilungen gruppiert. Zahlreiche eindrucksvolle Monumentalgräber prägen das Erscheinungsbild des Friedhofs.

Planet-Vienna, Friedhof Grinzing, Gruft Heinrich von Ferstel
Gruft Heinrich von Ferstels

Auffallend viele bekannte Persönlichkeiten Wiens haben hier ihre letzte Ruhestätte gefunden. Ein Spaziergang über den Grinzinger Friedhof gleicht daher einer Entdeckungsreise, denn beinahe auf Schritt und Tritt begegnet man wohlbekannten Namen auf prachtvollen Grabsteinen. Architekten wie Heinrich von Ferstel, Ferdinand Fellner und August Sicard von Sicardsburg sind hier ebenso bestattet wie der Schriftsteller Heimito von Doderer oder der Komponist Gustav Mahler. Wer mit der Wiener Gesellschaftsgeschichte vertraut ist, wird zudem bei den Gräbern von Angehörigen angesehener Familien wie Kremslehner, Seybel, Schoeller, Schey von Koromla, Ehrbar, Bratmann, Sacher-Masoch oder Czernin von Chudenitz innehalten. Eine Übersichtstafel am Eingang erleichtert den Besuchern die Orientierung.


→ Weiterführende Themen

• Orte der Ewigkeit – Streifzug durch die Wiener Friedhöfe und Gruften
• Wien und der Tod – ein grosses Thema in der Kaiserstadt, auch heute noch
• Die Bestattung – in Wien hat das Zeremoniell vielfältige Ausprägungen