1. Bezirk, Postgasse 8

Eher unauffällig in die Verbauung an der Postgasse integriert, verbindet die St.-Barbara-Kirche barocke Architektur mit byzantinischer Liturgie. Als Kirche der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde vereint sie westliche und östliche Tradition und eröffnet einen seltenen Einblick in gelebte Kulturgeschichte zwischen Ost und West.
Die St.-Barbara-Kirche in der Wiener Postgasse ist ein Zentrum der ukrainisch-griechisch-katholischen Gemeinde in Österreich. Als Teil der katholischen Kirche folgt sie dem byzantinischen Ritus und verbindet westliche Kirchenzugehörigkeit mit östlicher Liturgietradition. Ihre Wurzeln liegen in Galizien und Lodomerien, der historischen Heimat der Ruthenen (Westukrainer). Die Liturgie wird traditionell in Kirchenslawisch, heute auch in Ukrainisch und Deutsch gefeiert.
Anstelle der heutigen Kirche ist bereits um 1573 eine dem Jesuitenkonvikt zugehörige Barbarakapelle bezeugt. Von 1652 bis 1654 wurden Konviktgebäude und Kirche neu erbaut. Nach Aufhebung des Jesuitenordens 1773 stiftete Maria Theresia die Einrichtung als Seminar der griechisch-katholischen Kirche unter der Bezeichnung „Barbareum“. Das Seminar existierte bis 1784, ehe hier erste unierte ukrainische Pfarre ausserhalb der Ukraine gebildet wurde. Die Kirche ist im Jahre 1852 mit einer schlanken, frühhistoristischen Fassade nach Plänen von Paul Wilhelm Eduard Sprenger in die umliegende Bebauung integriert worden.
Bemerkenswerte Ausstattung
Der Innenraum der vierjochigen, frühbarocken Wandpfeilerkirche ist reich gestaltet. Die Gewölbemalereien sind modern und im Zuge einer Renovation in den 1980er-Jahren entstanden. Die Einrichtung hingegen stammt aus der Zeit um 1780, ist einheitlich und im qualitätvollen Rokokostil gehalten.

Der Kirchenraum wird durch eine eindrückliche Ikonostase geprägt, die den Altarraum vom Kirchenschiff trennt und zugleich das zentrale Gestaltungselement bildet. Die Gewölbe- und Wandmalereien zeigen Christus als Pantokrator, Engel, Heilige sowie Szenen aus dem Neuen Testament; ergänzt werden sie durch Darstellungen mit Bezug zur Geschichte der Ukraine. Die Ausstattung umfasst eine reich geschnitzte und vergoldete Ikonostase mit ikonographischem Programm, dazu Kanzel, Altäre, Chorgestühl und zahlreiche Ikonen, darunter auch ältere Werke aus dem 17. Jahrhundert. Der Hochaltar ist als Marmoralter mit tabernakelartigem Aufbau gestaltet. Ergänzt wird das Ensemble durch eine Seitenkapelle des heiligen Josaphat mit Reliquien und weiteren Bildwerken sowie durch die Sakristei, welche historische liturgische Geräte und Ausstattungsstücke birgt.
