Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen

Franz Lehár – Der Graf von Luxemburg


SIE
Sind Sie von Sinne, Herr Baron?
Es kann nicht sein, unmöglich.

ER
Ein Wort für feige Herzen, nicht für meines,
Unmöglich wär‘ nur eines:
Sie nicht zu lieben auf den ersten Blick,
Dem holden Reiz zu widersteh’n,
Um sich zu sträuben gegen das Geschick.
Fortan in Ihnen einen Stern zu seh’n.

SIE
Lieber Freund, man greift nicht nach den Sternen,
Die für uns in nebelhaften Fernen.
Fürchte sehr, dass Sie umsonst sich mühen.
Sieht man sie auch glühn,
Sie fliehen, sie fliehen ins Weite.
Wenn man könnt so wie man wollte,
Wenn man wollt, was man doch nimmer sollte.
Lieber Freund, man muss sich hübsch bescheiden,
ja man muss oft meiden,
was man liebt.

ER
Nein! Trotz aller Fernen, nein!
Greif nach den Sternen,
Liebe, sie trägt uns empor.
Ja hunderttausend Meilen,
die wollte ich gerne eilen, ich fragt darnach nicht viel, nicht viel

SIE
Lieber Freund, so geht’s uns mit den Sternen

ER
Die für uns in nebelhaften Fernen.

SIE
Fürchte sehr, dass sie uns sonst nicht mühen.

ER
Ach, ich seh‘ sie glüh’n,
sie glüh’n in weiter Ferne

BEIDE
Wenn man würd‘, so wie man immer wollte,
Wenn man wollt‘, so wie man nimmer sollte.
Lieber Freund, man muss sich hübsch bescheiden,
ja man muss oft meiden,
was man liebt.