8. Bezirk, Florianigasse 45

Rund um das Amtshaus des 8. Bezirks herrscht wenig Trubel, was die Gegend noch beschaulicher erscheinen lässt. Hier reihen sich schöne späthistoristische Gründerzeithäuser aneinander. In einem dieser Häuser – direkt gegenüber dem Amtshaus – befindet sich ein Kaffeehaus, das weitgehend ausserhalb vom Radar der Toursten liegt. Und das ist durchaus von Vorteil: So bleibt es ein beliebter Treffpunkt für ein junges, lokales Wiener Publikum. Es herrscht eine familiäre Atmosphäre.

Das Kaffeehaus selbst hat eine lange Tradition. Schon seit dem 19. Jahrhundert gibt es diesen J-förmigen Raum, in dem der Betrieb jedoch gegen Ende des Jahrhunderts zunehmend stagnierte. Auch eine Renovierung in den 1980er-Jahren konnte dem einstigen Jugendstil-Café kaum neuen Schwung verleihen. Es galt lange als düsterer Ort, den vor allem Nachtschwärmer aufsuchten. Doch mit der Jahrtausendwende kam die Wende: 1999 übernahm der Gastronom Markus Rühl das Café und liess es mit viel Fingerspitzengefühl renovieren. Die schlichte, aber elegante Jugendstilarchitektur erstrahlte wieder in neuem Glanz. Im November 2023 übernahmen die Gastronomen Simon Schubert und Julian Lechner das „Florianihof“.

Heute wirkt das Café hell, offen und einladend. Vor allem die die stilvolle Zurückhaltung des späthistoristischen Dekors verleiht dem Raum eine zeitlose Eleganz. Die schlichte Holzvertäfelung fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein, ohne aufdringlich zu wirken. Ein klassischer Windfang, die einheitliche Möblierung und der schöne Fischgrätparkett verleihen dem Raum seinen besonderen Charme. Ein kleiner Wermutstropfen: Die einstigen Jugendstil-Kugellampen wurden durch eine Spotbeleuchtung ersetzt. An den Wänden hängen zeitgenössische Kunstwerke, die für dezente Akzente sorgen.
Die Schank wirkt eher untypisch für Wien, erinnert sie doch mehr an ein Bistro, doch das tut dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Das Angebot an Zeitungen und Magazinen ist goss, der Service überzeugt durch Aufmerksamkeit und Freundlichkeit. Der Kaffee gehört zweifellos zu den besten der Umgebung. Das Angebot folgt durchaus aktuellen Trends, was hier jedoch gut ankommt und perfekt zum Stil dieses charmanten Jugendstil-Kaffeehauses passt – ein Ort, der wohl am besten als Geheimtipp bleiben sollte.
Update 15. März 2026: Nach einer längeren Schliessung des Kaffeehauses aus zunächst unbekannten Gründen liessen die Betreiber gegenüber dem Gastro-Portal Falstaff im Oktober 2024 schliesslich verlauten, dass sie das „Projekt Florianihof“ beenden müssten, weil es sich nicht gerechnet habe. Im Mai 2025 erfolgte eine Neuröffnung durch eine weitere Betreiberin. Mitte März 2026 musste auch diese Insolvenz anmelden. Die Zukunft des Kaffeehauses ist ungewiss.
