Das kleinste Haus von Wien

7. Bezirk, Burggasse 3 / Breite Gasse

planet-vienna, das kleinste haus von wien

Das kleinste Haus von Wien im 7. Bezirk ist ein architektonisches Kuriosum mit gerade mal 14 Quadratmetern Grundfläche. Als traditioneller Standort eines Uhrmacher- und Goldschmiedbetriebs ist es ein kleines, aber markantes Wahrzeichen des Wiener Stadtbilds.


Bautechnisch wurde im kaiserlichen Wien des 19. Jahrhunderts reichlich „geklotzt“ – gross wurde gebaut, repräsentativ, wuchtig. Die Adresse Burggasse 3 hingegen steht dazu im puren Gegensatz und gilt deshalb als Kuriosum: Es handelt sich um das sogenannt „kleinste Haus“ der Österreichischen Hauptstadt. Es steht an der Ecke Burggasse/Breite Gasse und schliesst sich baulich dem angrenzenden Komplex des Museumsquartiers an. Das zweigeschossige Gebäude mit klassizistischer Formensprache wurde 1872 vom Architekten Josef Durst erbaut und hat einen Grundriss von gerade mal 14 Quadratmetern.

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Ursprünglich soll das schmucke Minihaus (gemäss nicht verifizierter Quellen) die Bezeichnung „Zur grünen Weintraube“, zu einem späteren Zeitpunkt „Zum goldenen Lamm“ und schliesslich „Zum goldenen Hirschen“ getragen haben. Nach der Jahrhundertwende ist hier das 1865 gegründete Uhrmacher- und Juweliergeschäft von Mathias Meindl (†1931) bezeugt, das wohl Erstbezügerin des Hauses war. Meindl hatte Geschäft und Haus 1900 von seinem Vater Johann erbrechtlich übernommen. Mathias Meindl präsidierte den Österreichischen Uhrmacherbund bis zu dessen Auflösung 1928. Nach seinem Tod ging die kleine Liegenschaft auf seine Witwe Barbara über.

Das Grösste am Haus: eine Taschenuhr

Der Eingang zum Ladenlokal lag einst an der Burggasse. Später ist er seitlich angebracht worden und hätte theoretisch die Adresse Breite Gasse 20. Jedoch ist die ursprüngliche Anschrift beibehalten worden. Die heutige Werkstatt im „kleinsten Haus Wiens“ gehört dem traditionsreichen Uhrmacher- und Goldschmied-Unternehmen Schmollgruber aus Steyr, dies seit 1972 als Friedrich Schmollgruber das Lokal übernommen hat. Er starb 2022. Seine Nachkommen rückten als Inhaber nach. Der Raum des kleinsten Hauses Wiens ist freilich nach hinten erweitert worden und umfasst auch die Fläche des Nachbargebäudes. Das schmucke Kleinod dient jedoch nach wie vor als Auslage.

Die Fenster des Hauses werden sowohl im Erdgeschoss als auch im Obergeschoss von Pilastern mit korinthischen Kapitellen flankiert. Ein ausgeprägtes Gesims trennt die beiden Etagen horizontal. Gerades Gebälk bekrönt die drei oberen Fenster mit Balusterparapeten. Ein mehrstufiges Gesims über einem Kranzfries schliesst das Gebäude gegen oben hin ab. Besonders charakteristisch ist die überdimensionierte Taschenuhr an der Hausecke, die unmissverständlich auf die Handwerksbranche im Haus verweist.

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planet-vienna, das kleinste haus von wien

planet-vienna.com, Das "kleinste Haus Wiens", Aufnahme von August Stauda um 1906 (Quelle: Wien Museum)
Das „kleinste Haus Wiens“, Aufnahme von August Stauda um 1906
(Quelle: Wien Museum)