Die Christel von der Post

Carl Zeller – Der Vogelhändler


Ich bin die Christel von der Post;
Klein das Salär und schmal die Kost.
Aber das macht nichts, wenn man noch jung ist –
Wenn man nicht übel, wenn man im Schwung ist.
Ohne zu klagen
Kann man’s ertragen.
Wenn man dabei
Immer lustig und frei!
Bin ja die Christel von der Post!

Mein Amt ist herrlich,
Wenn auch gefährlich.
Auf die Adresse kommt es an;
Ist’s ein galanter,
Ist’s ein charmanter,
Wird es fatal oft dann und wann.
Statt Rezepisse
Möchte gern küssen;
Pfiffig jedoch benehm‘ ich mich da!
Lass ‚ihn vor allem
’s Porto erst zahlen.
Sage dann lachend zu ihm: ja, ja!
Einen Kuss
Wenn ich muss, wenn ich muss…
Nur nicht gleich, nicht auf der Stell‘
Denn bei der Post geht’s nicht so schnell‘
Nur nicht gleich, nicht auf der Stell‘
Denn bei der Post geht’s nicht so schnell‘

Mein Schatz, der Adam aus Tirol,
Liebt mich unbändig, glaub’s ihm wohl.
Ob er mir treu ist, will ich nicht fragen,
Dass er kein Geld hat, das kann ich sagen.
Seh‘ ich ihn wieder,
Pocht’s mir im Mieder,
Wird mir so dumm
Und ich weiss nicht warum?
Bin halt die Christel von der Post.

Er meint es ehrlich,
Fragt unaufhörlich
Wann ich ihm folge zum Altar.
Er sagt: «Ich nehm‘ dich.»
Ich sage: «Schäm‘ dich!
Wäre doch komisch wir als Paar.
Du hast so wenig,
Ich keinen Pfennig-
Denke nur, wenn einst Kinder da!»
Treibt in die Enge
Mich sein Gedränge,
Sage ich lachend zu ihm: «Ja, ja!
Muss es sein,
Werd ‚ich dein; werd‘ ich dein…“
Nur nicht gleich, nicht auf der Stell‘,
Denn bei der Post geht’s nicht so schnell!
Nur nicht gleich, nicht auf der Stell‘,
Denn bei der Post geht’s nicht so schnell!