Café Korb

1. Bezirk, Brandstätte 9 / Tuchlauben 10

planet-vienna, café korb in wien

Die Baugeschichte des Hauses, in dem heute das Café Korb untergebracht ist, liest sich wechselvoll. Einst stand hier ein bereits im 15. Jahrhundert erwähntes Haus „beim Kühfuss“. Das Nachbargebäude stammte in etwa aus derselben Zeit und beherbergte später eine Bierschenke mit dem Namen „Zum Kühfuss“. Um 1749 wurden beide Gebäude baulich vereint, die Gastwirtschaft blieb erhalten. Sie lag in der Ecke Tuchlauben / Brandstätte – da, wo die noch heute Kühfussgasse genannte Gasse auf den Platz mündet. Zu der Zeit dürfte an diesem Ort ein Kaffeehausbetrieb mit der Adresse Tuchlauben 11 direkt gegenüber existiert haben. Es soll einer der ersten Cafés Wiens gewesen sein, in dem man auch Damen sitzen sah, was im 19. Jahrhundert alles andere als üblich war. Der damalige Cafetier dieses Betriebs, ein Herr Arnberger, war scheinbar zukunftsorientiert eingestellt.

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In den Jahren 1904 bis 1906 wurde anstelle des demolierten Doppelgebäudes „Zum Kühfuss“ das vom Architekten Julius Mayreder geplante Direktionsgebäude der städtischen Kaiser Franz Joseph Lebens und Rentenversicherungs-Anstalt, die nachmalige Wiener Städtische Versicherung, gebaut. Im Erdgeschoss zog der Kaffeehausbetrieb Korb ein. Namensgebend sollen die korbförmigen Stuckelemente in den Räumen gewesen sein. In den Jahren 1958 bis 1962 wurde der Gebäudekomplex Brandstätte 7-9 in seiner heutigen Gestalt erbaut. Er schliesst das einstige Versicherungsgebäude mit ein. Die Fassade mit genuteten Granitplatten am Sockelgeschoss lässt  das monumentale Bürohaus einheitlich erscheinen. Die Familie Widl, seit 1950 Besitzerin des Korb, gestaltete im Zuge dessen das Kaffeehaus dem Zeitgeschmack entsprechend komplett um. Das historische Erscheinungsbild verschwand mitsamt den Korb-Stuckaturen und wich dem 50er-Jahre-Stil, den das Café bis heute behalten hat.

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Damit ist das Café Korb – ähnlich wie das Prückel – eines der typischsten Wiener Kaffeehäuser dieser Stilepoche und entfaltet entsprechend einen ungemeinen Reiz. Klassische Bepolsterung, originale Holzstühle, einzigartige Glasluster und ganz viel Patina machen den Charme dieser verhältnismässig kleinen Kaffeehauses aus. Alte Fotografien an den Wänden erinnern an eine illustre Gästeschar, die im Verlauf der Jahrzehnte hier Gast war. Selbstverständlich fehlt auch die obligate Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften nicht. Bekannt ist das Café für die resolut-freundlichen Ober, die auch mal für Anekdötchen zum Weitererzählen sowie für lockere Sprüche („Zu normalen Leuten san wir a normal“) sorgen, und die qualitativ gute Küche, welche mit hauseigenen Spezialitäten aufwartet. Sehr beliebt ist der ausladende Schanigarten auf dem Platz vor dem Haus rund um den 1928 erbauten Tuchmacher-Brunnen. Das Kaffeehaus ist bei Einheimischen gleich wie bei Wien-Besuchern sehr beliebt.

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Die futuristische Artlounge im Untergeschoss

Erwähnenswert ist zudem das Untergeschoss, das einen im Jahre 2002 von mehreren Künstlern gemeinsam entworfenen Extraraum, eine Artlounge, beherbergt, wo sich unter anderem Kunst- und Kulturschaffende treffen. Die Toilettenanlagen sind gut zwei Jahre später neu entstanden und mit ihrem futuritischen Design einen Besuch wert, selbst wenn man nicht „muss“.