8. Bezirk, Florianigasse 45

Das Café Florianihof war lange ein charmantes Wiener Kaffeehaus abseits des Touristenrummels. Nach einer bewegten Geschichte mit Betreiberwechseln und wiederholten Neuanfängen ist diese Ära nun vorbei: Das traditionsreiche Lokal in der Florianigasse wurde 2026 zum Restaurant.
Rund um das Amtshaus des 8. Bezirks herrscht wenig Trubel, was die Gegend noch beschaulicher erscheinen lässt. Hier reihen sich schöne späthistoristische Gründerzeithäuser aneinander. In einem dieser Häuser – direkt gegenüber dem Amtshaus – befand sich ein Kaffeehaus, weitgehend ausserhalb vom Radar der Toursten. So blieb es ein beliebter Treffpunkt für ein junges, lokales Wiener Publikum. Es herrschte eine familiäre Atmosphäre.

Das Kaffeehaus selbst hatte eine lange Tradition. Schon seit dem 19. Jahrhundert gibt es diesen J-förmigen Raum, in dem der Betrieb jedoch gegen Ende des Jahrhunderts zunehmend stagnierte. Auch eine Renovierung in den 1980er-Jahren konnte dem einstigen Jugendstil-Café kaum neuen Schwung verleihen. Es galt lange als düsterer Ort, den vor allem Nachtschwärmer aufsuchten. Doch mit der Jahrtausendwende kam die Wende: 1999 übernahm der Gastronom Markus Rühl das Café und liess es mit viel Fingerspitzengefühl renovieren. Die schlichte, aber elegante Jugendstilarchitektur erstrahlte wieder in neuem Glanz. Im November 2023 übernahmen die Gastronomen Simon Schubert und Julian Lechner das „Florianihof“.

Seither wirkte das Café hell, offen und einladend. Vor allem die die stilvolle Zurückhaltung des späthistoristischen Dekors verlieh dem Raum eine zeitlose Eleganz. Die schlichte Holzvertäfelung fügte sich harmonisch in das Gesamtbild ein, ohne aufdringlich zu wirken. Ein klassischer Windfang, die einheitliche Möblierung und der schöne Fischgrätparkett gaben dem Raum seinen besonderen Charme. Ein kleiner Wermutstropfen: Die einstigen Jugendstil-Kugellampen wurden durch eine Spotbeleuchtung ersetzt.
Die Schank wirkte eher untypisch für Wien, erinnerte sie doch mehr an ein Bistro, doch das tat dem Gesamteindruck keinen Abbruch. Das Angebot an Zeitungen und Magazinen war gross. Das Angebot folgte durchaus aktuellen Trends, was hier jedoch gut ankam und perfekt zum Stil dieses charmanten Jugendstil-Kaffeehauses passte
Das Ende des Kaffeehausbetriebes
Nach einer längeren Schliessung des Kaffeehauses aus zunächst unbekannten Gründen liessen die Betreiber gegenüber dem Gastro-Portal Falstaff im Oktober 2024 verlauten, dass sie das „Projekt Florianihof“ beenden müssten, weil es sich nicht gerechnet habe. Im Mai 2025 erfolgte eine Neuröffnung durch eine weitere Betreiberin. Mitte März 2026 musste auch diese Insolvenz anmelden.
Dann übernahmen die Betreiber vom „DasDrittl“ – bislang eine Art Gastro-Wanderkonzept – die Räume an der Florianigasse als nun festes Domizil und wandelten das einstige Kaffeehaus in einen Resturantbetrieb um, der moderne Österreichische Küche bietet. Das „Florianihof“ als traditionelles Kaffeehaus ist damit Geschichte.
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