Palais Schwarzmann

1. Bezirk, Schottenring 35

((BILD FOLGT))

Das stattliche Palais Schwarzmann bildet als markanter Eckbau den Abschluss des Schottenrings zum Donaukanal hin. Es wurde 1879 im Auftrag von David Schwarzmann errichtet. 1835 in Brăila am Schwarzen Meer geboren, gründete Schwarzmann mit seinem Bruder ein Kleidergeschäft mit westeuropäischen Herrenkonfektionen. Die Gebrüder waren damit insofern Pioniere, als die Menschen zu jener Zeit in der Walachei fast ausschliesslich traditionelle Kleidung trugen. Die jüdischen Schwarzmanns brachten die moderne Mode des Westens in die Region.

David Schwarzmann sah agesichts der steigenden Nachfrage seine grosse Chance gekommen – er entschloss sich, selbst in die Kleidungsproduktion einzusteigen. Er ging zunächst nach Budapest, wo ihm der Start als Produzent nicht glücken wollte. So übersiedelte er nach Wien. Hier eröffnete er eine Schneiderei. Er liess zudem Kleidung mittels günstiger Heimarbeit anfertigen und schickte sie in die Heimat, wo sein Bruder weiterhin für das Verkaufsgeschäft zuständig war.

David Schwarzmann gelang es, die politische und wirtschaftliche Lage geschickt zu nutzen, seine Produktion auszuweiten und in mehreren Städten östlich von Wien Filialen zu eröffnen, um den weiter steigenden Bedarf an qualitativ hochwertiger Herrenbekleidung zu decken. Bald wurde diese industriell und in entsprechend grosser Menge hergestellt. Schwarzmanns Erzeugnisse wurden bis in den vorderen Orient und nach Ägypten verkauft, später auch in Übersee, der Unternehmer wurde zu einem der führenden Textilexporteure der Donaumonarchie.

David Schwarzmann liess sein repräsentatives Ringstrassenpalais, in dem er bis zu seinem Tod im Jahre 1903 gelebt hat, von Wilhelm Stiassny planen und erbauen. Im selben Jahr hat Stiassny einen Block weiter ringaufwärts für den ebenfalls durch Textilhandel zu Vermögen gekommenen Karl Goldschmidt ein Wohnpalais errichtet (Schottenring 25). Stiassny setzte dem Grossindustriellen Schwarzmann und auch sich selbst ein Zeichen mit der ausserordentlich reich gestalteten Fassade des auf zwei Seiten freistehenden Baus. Markante Risalite mit Ortsteinquaderung, Balkonen und pyramidenartig übergiebelten Abschlüssen heben das Palais von der umliegenden Verbauung ab. Ein zweigeschossiger Erker sowie mit Dreiecks- wie Segmentgiebel bekrönte Fensterreihen bestimmen weiter die Fassade. Eine mächtige toskanische Portalanlage über drei Fensterachsen hinweg trägt einen Balkon.

Das pilastergegliederte Foyer hinter der Eingangstür hat eine stuckierte Decke. Neben vier antikisierenden Büsten zeigen zwei weitere den Bauherrn sowie den Architekten. Das ist eine Besonderheit im Verbund der privaten Wiener Ringstrassenbauten. Die repräsentative Wohnung in der Beletage ist heute stark verändert, weist aber nach wie vor reiche Stuckdecken auf. Der zentrale Raum wird von einer hölzernen Kassettendecke überspannt.