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Josephinum

9. Bezirk, Währingerstrasse 25

Im Jahre 1784 gründete Kaiser Joseph II. auf Rat seines Leibarztes Giovanni Alessandro Brambilla die medizinisch-chirurgische Militärakademie. Deren Zweck bestand mitunter darin, Ärzte für die kaiserliche Armee auszubilden. Für deren Unterbringung wurde bereits ein Jahr vor der geplanten Gründung mit dem Bau eines passenden Gebäudes begonnen, in welchem auch die biologisch-medizinischen Sammlungen gehortet werden sollten. Es wurde ein Grundstück an der Währingerstrasse gekauft und ein alter Gutshof darauf abgerissen. Den Bauauftrag erhielt der Architekt Isidor Canevale. Dieser schuf den bedeutendsten Zweckbau der josephinischen Ära, welcher gleichsam sein Hauptwerk wurde. Die feierliche Eröffnung des Josephinums erfolgte am 7. November 1785. Im Jahr danach wurden die Sammlungen herangeschafft und aufgestellt. Sie umfassen Exponate aus Biologie und Mineralogie sowie Heilmittel und chirurgische Instrumente. Die bemerkenswertesten Objekte sind originalgetreue Wachspräparate von Menschenkörpern und Körperpartien, die auch das Innenleben preisgeben. Sie wurden von den italienischen Anatomen Paolo Mascagni und Felice Fontana angefertigt und gehören zum integrierten anatomisch-pathologischen Museum.

 

Um 1822 wurde die Militärakademie den Universitäten im Kaiserreich gleichgestellt. 1849 stellte man den Hochschulbetrieb in der Akademie jedoch ein. Ab 1854 hatte das Josephinum die Funktion als Ausbildungsstätte für Feldärzte. 1874 erfolgte schliesslich der endgültige Stopp des Lehrbetriebes. Heute ist im Josephinum das Institut für Medizingeschichte untergebracht. Die Sammlungen können besucht werden.

Beim Josephinum handelt es sich um einen repräsentativen barock-klassizistischen Komplex mit einer stattlichen dreigeschossigen Ehrenhofanlage auf der Seite zur Währingerstrasse. Zentraler Gebäudeteil ist ein prominent hervortretender Mittelrisalit mit prächtiger Attika mit Inschrift und Wappen der Akademie. Seitlich wird der Hof von Eckpavillons mit Walmdächern markiert. Ihre Fassade wird von grossen ionischen Pilastern gegliedert. Die Fenster im ersten Obergeschoss weisen barocke Girlandenverdachungen und Balusterparapeten auf. In der Mitte des Ehrenhofes steht ein Brunnen mit einer Bleifigur "Hygienia" von Johann Martin Fischer, geschaffen um 1787. Die gartenseitige Gebäudefront ist schlichter gestaltet. Die Raumeinteilung und -gestaltung ist funktionell.
 




 


 


josephinum_1784.jpg
Das neu erbaute Josephinum um 1784 

 

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