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Die Franziskanergruft

 

Bereits bevor die Franziskanerkirche und das Kloster erbaut wurden, befand sich an der Stelle eine Begräbnisstätte. Man vermutet, dass hier im 13. Jh. ein Bischof in der alten Brüdergruft beigesetzt wurde. Zwei Etagen umfasste die Gruft, wobei man dazwischen Erde aufschüttete und so über 1‘000 Tote im Laufe der Zeit unter der Franziskanerkirche bestattete. Die Brüdergruft liegt unter dem Betchor, während unter den Seitenaltären jeweils eine weitere Gruft liegt. Sie alle waren nur von oben her zugänglich und wurden im Jahre 1739 miteinander verbunden.
 

Die Franzosen zur Napoleonszeit wussten, dass in der Franziskanergruft nicht nur Mönche bestattet wurden, sondern auch namhafte und wohlhabende Persönlichkeiten aus den Familien Trautmannsdorf, Gonzaga, Hoyos und anderen. So plünderten sie die Grabstätten, entwendeten dabei Totengaben und Grabschmuck und hinterliessen eine heillose Verwüstung. Vor dem Zweiten Weltkrieg stieg ein junger Franzsikanermönch, Bruder Pius Fraberger, in das Totenreich hinab, um es zu inspizieren. Was er entdeckte, war schrecklich: zertrümmerte Särge, haufenweise Knochen, mumifizierte Leichenteile – alles in einem wüsten Durcheinander. Der junge Mönch machte es sich zur Aufgabe, Ordnung in der Totenstätte zu schaffen. So stieg er täglich hinab in die Gruft und räumte auf in den Gewölben. Sein Werk konnte er jedoch nicht vollenden, denn er holte sich bei seiner Arbeit eine schwere Infektion und starb darauf am 4. Juni 1932 im jungen Alter von 22 Jahren. Die Gruft wurde umgehend gesperrt und jeglicher Zutritt verboten. Erst in den 90er Jahren nahm es sich abermals ein Franziskanermönch vor, Ordnung in die Gruft zu bringen. 1998 wurde die Grabstätte neu eingesegnet.

Im Zuge von Sanierungsarbeiten an der Bausubstanz unter der Franziskanerkirche entdeckte man einen Tunnel in Richtung Franziskanerplatz, von dem man vermutet, dass er in früheren Zeiten zum Stephansdom geführt hatte. Es war jedoch das Begehren des Klosters, dass dieser nicht weiter untersucht, sondern zugemauert werde. Auch stiess man bei den Bauarbeiten auf die Grüfte unter den Seitenaltären, in denen sich zahlreiche mumifizierte Leichen befanden. Diese wurden sogleich geordnet, gesegnet und bestattet. Erstaunliche Funde waren neben den guterhaltenen Leichen zudem Zinnsärge aus dem Jahre 1620 und zwei besonders prachtvolle Exemplare der Familie Hoyos aus dem Jahre 1684. Zum Vorschein kam auch ein alter Brunnen, gotisches Geschirr, römische Scherben und der Grabstein der letzten Äbtissin des Ordens der Büsserinnen.